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25.08.2020, Patricia Weiss Wermuth

Wie halte ich meine Stellensuche geheim? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Jobsuche

In der Zusammenarbeit mit meinen KundInnen tauchen immer wieder Fragen auf, für die man auf den gängigen Internetportalen zum Thema Bewerbung nicht unbedingt passende Antworten findet. Gerne möchte ich in diesem Blogpost einige dieser Fragen und mögliche Antworten mit Ihnen teilen.

Ich bin zurzeit auf Stellensuche, da ich in meinem jetzigen Arbeitsverhältnis sehr unzufrieden bin. Worauf muss ich achten?

Vielleicht finden Sie unerwartet schnell einen neuen Job. Es kann aber auch sein, dass Ihre Suche länger dauern wird. Darum rate ich Ihnen auf jeden Fall, dem/der Vorgesetzten und Ihren ArbeitskollegInnen gegenüber den Ball flach zu halten. Bekommen diese Wind von Ihrem Vorhaben, riskieren Sie, nicht mehr als vollwertiges, engagiertes Teammitglied angeschaut zu werden. Oder noch schlimmer: Ihr Chef/Ihre Chefin hat Sie bereits abgeschrieben und beginnt, Ihren Nachfolger zu suchen.

Ich habe Angst, dass meine jetzige Chefin erfährt, dass ich auf Stellensuche bin. Wie halte ich meine Jobsuche möglichst geheim?

Ihre Jobsuche ist Privatsache, darum: Erledigen Sie möglichst alles in diesem Zusammenhang während Ihrer Freizeit. Lassen Sie sich nicht während der Arbeitszeit dabei erwischen, wie Sie nach Stelleninseraten suchen oder Eignungstests am Geschäfts-PC absolvieren. Vermutlich sind Sie gerade besonders motiviert, Ihr Profil auf LinkedIn oder Xing zu optimieren… Seien Sie sich bewusst, dass häufige Updates Ihres Profils auffällig wirken können. Es ist nicht angenehm, wenn Ihr jetziges geschäftliches Umfeld von Ihren Fluchtplänen erfährt.

Wenn ich nicht alle Kriterien der Stellenausschreibung erfülle – soll ich dies im Bewerbungsschreiben erwähnen?

Ganz ruhig – es ist selten, dass jemand sämtliche Anforderungen des Stelleninserats erfüllt. Wichtig ist, dass Sie Ihre bisherigen Tätigkeiten und Ihre Stärken aussagekräftig im Lebenslauf und im Bewerbungsschreiben darstellen. Falls Sie eine der Hauptanforderungen nicht erfüllen, sollten Sie im Bewerbungsschreiben darauf eingehen. Vielleicht haben Sie Erfahrung in verwandten Bereichen, welche Sie erwähnen könnten? Schreiben Sie durchaus, dass Sie gerne bereit sind, noch eine jobbezogene Weiterbildung zu machen bzw. auch, dass Sie motiviert sind, sich noch fehlendes Wissen vor Arbeitsstart anzueignen.

Ich erhalte auf meine Bewerbungen nur Absagen, obwohl meine Qualifikationen gut sind. Was soll ich tun?

Der Grund einer Absage bei vorhandenen Qualifikationen kann sehr unterschiedlich sein. Haben Sie Ihren Lebenslauf so angepasst, dass klar ersichtlich ist, dass Sie die erforderlichen Kompetenzen mitbringen? Haben Sie das Bewerbungsschreiben individuell auf das Unternehmen und den Stellenbeschrieb ausgerichtet? Manchmal hat ein Unternehmen noch zusätzliche Wünsche, welche jedoch im Inserat nicht zum Ausdruck kommen: Vielleicht bevorzugen sie eine Frau, weil das Team bisher sehr männerdominiert ist. Oder die Mehrheit der Mitarbeitenden ist zwischen 50 und 60 Jahre alt, sodass sie sich jemanden um die 30 wünschen. Ich empfehle Ihnen auf jeden Fall, das Unternehmen anzurufen und nachzufragen, warum Sie nicht zum Interview eingeladen wurden. Nicht alle Unternehmen werden Ihnen eine ehrliche Antwort geben, aber gewisse auf jeden Fall.

Das Unternehmen spricht mich im Stelleninserat mit ‘Du’ an. Soll ich die Kontaktperson des Unternehmens im Brief nun auch duzen?

Es kann sein, dass ein Unternehmen damit sagen möchte: Das ‘Du’ gehört zu unserer Unternehmenskultur. Oder aber es will eine junge Bewerberschicht ansprechen. Im Zweifelsfall würde ich die Kontaktperson lieber mit ‘Sie’ ansprechen. Damit sind Sie auf der sicheren Seite. Wenn es allerdings ein Startup oder sonst ein offensichtlich sehr legeres Unternehmen ist, dürfen Sie durchaus zur Du-Form wechseln.

Soll ich in der Bewerbung Privates von mir verraten?

Es ist nicht nur wichtig, dass Ihre Qualifikationen den Anforderungen entsprechen, sondern auch, dass Sie als Mensch ins Team passen. Mit der Angabe von Interessen oder Hobbys können Sie ein ganz klein wenig Einblick in Ihr Privatleben geben. Das macht Sie als Mensch fassbarer, und der Lebenslauf wirkt dann nicht so kühl-sachlich. Meine Empfehlung ist, dass Sie die Hobbys nicht einfach nur in Stichworten aufzählen, sondern in einigen Sätzen beschreiben. Schreiben Sie zum Beispiel: ‘In meiner freien Zeit bin ich gerne sportlich in der Natur unterwegs – beim Wandern oder Biken in den Bergen oder mit dem SUP auf dem Zürichsee. Zudem lese ich leidenschaftlich gern historische Romane in Englisch.’ Mit solchen Sätzen können Sie sich von der Konkurrenz abheben.

Ich hoffe, dass Sie von meinen Beispielen ein paar wertvolle Tipps mitnehmen können. Für Ihre Bewerbungsphase drücke ich Ihnen die Daumen. Und nochmals: Formulieren Sie aussagekräftige Tätigkeitsbeschriebe, stellen Sie individualisierte Bewerbungsschreiben zusammen und seien Sie mutig: Fragen Sie bei Unternehmen nach, wenn Sie eine Absage bekommen!

Herzliche Grüsse

Patricia Weiss